Buch-Highlights 2026 – Teil 1
Wie immer habe ich einige neue Fantasy-Romane für mich entdeckt. Für Simon Jiminez’ „The Spear Cuts Through Water“ habe ich beim Lesen tatsächlich zwei Anläufe gebraucht. Beim zweiten habe ich mich aber in das Buch verliebt. Es macht einige sehr spannende Dinge mit ineinander geschachtelten Handlungen und Figurenstimmen und verbindet das Mythisch-Überlebensgroße mit dem sehr Menschlichen.
Meine Rezension zu "The Spear Cuts Through Water"
Normalerweise bin ich eine dieser schrecklichen Personen, die Serien anfangen, das erste Buch lesen, und dann lieber etwas Neues entdecken, statt weiterzulesen. Aber obwohl die Bücher eigentlich alle für sich stehen können, kommt das für mich bei Adrian Tchaikovskys „Tyrant Philosophers“ nicht infrage. Band vier, „Pretenders to the Throne of God“ ist wieder ein Mosaikroman mit spannendem, originellem Worldbuilding, der mit makelbehafteten Figuren und einer Mischung aus Komik und schmerzhafter Konsequenz eine sehr durchdachte Geschichte über Eroberung und Widerstand erzählt. Und ganz nebenbei liefert er auch einen ungewöhnlichen Fantasy-Romance-Subplot.
Apropos Fantasy-Romance und Abweichungen von meinem normalen Leseverhalten: Fantasy-Romance/Romantasy ist bei mir so ein chronisches 3-Sterne-Genre – ich lese ein Buch, werde davon unterhalten, aber hätte mir in den meisten Fällen mehr Tiefe, mehr Innovation, mehr Fantasy gewünscht. Auch Zeitreisen sind nicht gerade ein Lieblingsthema für mich. Trotzdem konnte mich „The Everlasting“ mit seinen Themen von Nationalismus und Mythenbildung, mit seinem Spiel mit verschiedenen Erzählstimmen und -registern und vor allem mit der Liebesgeschichte im Herzen des Romans überzeugen. Auch der Bruch mit traditionellen Geschlechterrollen war etwas, was ich in dem Genre sehnsüchtig erwartet hatte.
Jenseits von Fantasy war „Martyr!“ von Kaveh Akbar eine echte Entdeckung. Die Geschichte des exzentrischen Protagonisten und seiner Familie beginnt im Iran, endet in den USA und verbindet emotionales Gewicht. Die Figuren haben individuelle Stimmen und zahllose sehr menschliche Eigenheiten und weder stilistisch noch inhaltlich weiß man beim Lesen, was hinter der nächsten Ecke wartet.
Ich habe dieses Jahr auch einige Bücher gelesen, um für mein aktuelles Romanprojekt zu recherchieren, vor allem über das 19. Jahrhundert. Alexandra Bleyers „1848 – Erfolgsgeschichte einer gescheiterten Revolution“ ist eines der gleichzeitig informativsten und zugänglichsten Bücher, die ich bisher über die Revolution gelesen habe. Es beleuchtet unter anderem auch deren europäische Dimension. Bleyer geht auch auf die beteiligten Frauen ein und führt deren Geschichten teilweise im ebenfalls exzellenten „Revolutionärinnen“ weiter. In diesem Buch schreibt sie über Revolutionärinnen aus fünf Kontinenten, stellt sie, aber auch ihr Umfeld vor. Es entstehen spannende Portraits kämpferischer, komplizierter Frauen und ihrer Zeit.
“Trace Elements” von Ada Palmer und Jo Walton ist eine Sammlung von Essays über Fantasy und Science-Fiction, die von zwei einschüchternd belesenen Autorinnen geschrieben wurde und eine Menge sehr kluger Gedanken zum Genre enthält. Wenn ich das Buch in Print hätte, würde es in meinem Regal neben Ursula K. le Guins Sachtexten zum Genre wohnen. Auch hier habe ich für Literatopia eine ausführlichere Rezension geschrieben.










